Aus dem Wuh-Testrevier
Was Papier verrät
Seit Jahren nimmt das WuH-Testrevier an einer revierübergreifenden Drückjagd teil. Auf dieser Jagd zeichnen die Schützen ihren Anlauf auf. Heiko Hornung zeigt, wie die Standprotokolle ausgewertet werden und welche Hinweise sie für die nächste Jagd liefern.

Bild: Michael Stadtfeld
Rund 25 Schützen wollen im Revier richtig platziert sein. Sie sollen nicht nur reichlich Anblick haben, sondern, wenn möglich, auch zu Schuss kommen. Bislang hat dies auch immer gut funktioniert. Nur 6 Schützen gingen bei der Jagd 2025 als Schneider nach Hause. Nur einer hatte auf einem Fernwechsel keinen Anblick.
Dass dem so ist, verraten uns nach der Jagd nicht nur die Schützen in Einzelgesprächen, sondern auch ihre Standprotokolle, die jeder Ansteller den Jägern bei der Einweisung auf ihrem Stand zusammen mit einem Bleistift aushändigt. Darauf notieren die Standschützen, wann Wild angewechselt ist, was und wie viele Stücke es waren und ob sie diese beschossen haben. In den Tagen nach der Jagd und noch vor der Nachbesprechung mit den Jagdleitern der anderen Reviere werte ich die Protokolle aus.
Ich kann daraus sehen, in welchem Abschnitt des 3,5-stündigen Treibens am meisten Bewegung war.

Soweit besondere Stücke, bspw. ein Rudel Damwild oder eine Rotte Sauen mit einer bestimmten Kopfzahl, vorkommen, können aufgrund der Zeit- notizen auf den Standprotokollen deren Wechsel nachvollzogen werden und auch, ob diese irgendwo plötzlich verschwunden sind. Damit wäre klar, dass sie einen Weg aus dem Treiben gefunden haben, der uns möglicherweise bislang unbekannt war.
Es ist interessant, wie v. a. Sauen diese erfolgreichen Fluchtwechsel abspeichern und wieder nutzen. Ein im nächsten Jahr dort platzierter Schütze kehrt auf den Streckenplatz meist mit einem Lächeln zurück.

Nicht jeder Anlauf lässt sich von den Jägern verwerten. Rehwild ist oft flüchtig, Sauen sind eventuell zu weit und zu schnell. Wenn ein Protokoll mit Notizen überquillt, ohne dass der Schütze erfolgreich war, kann dies 2 Gründe haben: Der Schütze war aufgrund seiner Fertigkeiten mit dem Stand überfordert, oder der Stand muss möglicherweise verlegt oder aufgegeben werden.Beide Informationen sind für die Planung im Folgejahr wertvoll.
Was sich nicht ablesen lässt: Aufgrund vieler Doppelsichtungen lässt sich der Wildbestand nur vermuten. Mehr als 30 % sind sicher bereits vorher an einem anderen Stand in Anblick gekommen. Doch insgesamt ergibt sich ein Bild, in dem deutlich wird, wo diesmal das Wild lag oder von wo es ein- und wohin es ausgewechselt ist.
Diese Informationen teile ich mit den Nachbarn, weil auch dort die Schützen richtig stehen sollen. Denn es geht in Grenznähe nicht darum, das eigene Revier abzuriegeln, sondern die richtigen Stände zu finden, damit möglichst alle von der gemeinsamen Jagd profitieren.
Autor: Heiko Hornung















