22.01.2026
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8 Min

Aus dem WuH-Testrevier

Nebel, Dornen, dicke Sauen

Die revierübergreifende Drückjagd ist der jagdliche Höhepunkt im Jagdjahr, auf den die Redaktion sich monatelang vorbereitet. Jetzt sollten die Arbeit und all die Pläne Früchte tragen. Heiko Hornung

Nebel, Dornen, dicke Sauen

Bild: Michael Stadtfeld

Nach der Jagd ist vor der Jagd! In der Redaktion hatten wir beim Pläneschmieden lebhaft noch die Drückjagd vom vergangenen Jahr vor Augen. Wir hatten mit einem schneidigen Ostwind in unseren warmen Südwesthängen die Stube voller Sauen. Das Ergebnis war mit 25 Stück Schalenwild nicht schlecht.
Aber als ich die Beobachtungsprotokolle auswertete, befiel mich mehr und mehr der Grimm. Es war offenbar noch viel mehr Wild im Treiben, was eigentlich zu einer höheren Strecke hätte führen können, und es wurde schlecht geschossen. Meinem Unmut darüber hatte ich bereits an der Strecke Luft gemacht und die Teilnahme an der WuH-Keilernadel eingefordert. Nun, der Appell hatte wohl gefruchtet – aber dazu später mehr.
 

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Eine Koppel voller Terrier. Sie waren der Schlüssel zum Erfolg. Rund 30 Hunde waren im Einsatz. (Bild: Michael Stadtfeld)

Dass Schützen viel gesehen, aber wenig geschossen hatten, ließ uns vermuten, dass die Sauen unsere Stände kannten. Wir begannen also, das gesamte System der Schützenstände zu überdenken. Von rund 30 Ständen wurden 12 verstellt und 8 neu errichtet – zusammen mit den notwendigen Reparaturen und dem obligatorischen Freischneiden eine Stange Arbeit.
Schon im Sommer, nach der Blattzeit, hatten wir damit begonnen. Anfang November waren wir fertig. Bis Mitte November wussten die Ansteller über ihre Schützenstände Bescheid. Seit Oktober fiel im Wald kein Schuss mehr. Außerdem war uns klar, dass wir in den Brombeerschlägen, in denen sich Treiber und Hundeführer 2024 aufgerieben hatten, deutlich mehr vierläufige Helfer brauchten. Die Schwarzkittel hatten uns im Dornenmeer mehr als einmal ausgetanzt. Waren es zuvor rund 20 Hunde in 2 Wehren, erhöhten wir deren Zahl auf 30. Damit sollte selbst im grimmigsten Dickicht genügend Druck entstehen. Der große Drückjagdtag konnte also kommen.
 

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Zu Beginn steckte Damwild im Treiben, es entsprach allerdings nicht der Freigabe. (Bild: Michael Stadtfeld)

Er kam mit einem feucht-warmen Südwestwind. Bei der Fahrt zum morgendlichen Treffpunkt ließ sich die Straße vor Nebel kaum erkennen. Ich betete zum heiligen Hubertus, dass er nicht alles zunichtemachen solle, zumal wir mit der Weiseler Höhe einen Schützenriegel hoch stehen hatten, der im dunstigen Grau wahrscheinlich nahezu blind sein würde.
Kurz nach 9 Uhr begann die Zangenbewegung der Wehren. Die eine drückte vom Berg Richtung Revier- zentrum, die andere von den Talhängen her Richtung Höhe. Die Hunde waren noch nicht richtig gestartet, da hörten die Schützen rundum schon ihren giftigen Laut und das „Sauen, Sauen“ der Treiber.
Während das Damwild bereits in der 1. Stunde das Treiben verlassen hatte, waren die Sauen wesentlich dickschwartiger. Sie ließen sich ein ums andere Mal überlaufen – wäre da nicht immer noch ein kleiner, feinnasiger Terrier gewesen, der diese List erkannte und den Drückbergern auf die Schwarte rückte. Immer wieder riegelten die Wehren dichte Brombeerhorste noch einmal zurück und fanden dort erneut Sauen.
 

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Auf der Weiseler Höhe hebt sich nur schwer der Nebel. Die Schützen hatten schlechte Sicht. (Bild: Michael Stadtfeld)

Im unteren Teil des Treibens hatte sich der Nebel gelichtet. Die Schützen dort hielten reiche Ernte. Die Jäger am Berg hingegen hörten zwar viel Wild anwechseln, konnten aber weder richtig ansprechen noch sicher schießen. Auch hatten die Wehren ihre Last, alle möglichen Wildeinstände im Treiben innerhalb der vorgegebenen Zeit durchzuarbeiten. An zahlreichen Stellen hörte man am Geläut der Hunde, dass das Wild es auch in diesem Jahr verstanden hatte, die zahlreichen Lücken zwischen den Ständen zu finden.
 

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Dornen ohne Ende. Prof. Michael Lierz kämpfte 3 Std. mit seinen Hunden im Dickicht. (Bild: Michael Stadtfeld)

Noch in der 1. Stunde liefen 57 Stück die Stände an, in der 2. waren es 81 Wildbegegnungen, die die Schützen verzeichneten, und in der 3. immerhin noch 21. Die Abschüsse verteilten sich nahezu gleichmäßig auf alle 3 Std..
60 Schuss waren bis zum Jagdende gefallen, und ich war gespannt, was alle auf dem Streckenplatz zusammentragen würden. Es kam dicker, als ich gedacht hatte: Jede Anstellergruppe brachte Wild mit. Das Bergekommando, das in diesem Jahr sogar mit einem ATV ausgerüstet war, lud Sau um Sau ab. Das zentrale Aufbrechkommando schnitt mit 3 Mann im Akkord, und es war im 1. Moment schwierig, eine einigermaßen klare Lage zu bekommen.
 

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Wild liefern ist Schwerstarbeit. Moritz Englert liegt mit einer Sau mächtig im Geschirr. (Bild: Michael Stadtfeld)

8 Anschüsse mussten kontrolliert werden. Bald waren die Hundeführer mit den Schützen unterwegs, um sich einweisen zu lassen. Nur 1 Nachsuche hatte deutliche Pirschzeichen. 3 Sauen waren bereits auf anderen Ständen zur Strecke gekommen. Ihre Herkunft konnte von den eingesetzten Gespannen vollständig aufgeklärt werden. 3 Sauen wurden noch am selben Tag gefunden, 2 weitere Anschüsse entpuppten sich als Fehlschüsse. Noch während sich Treiber, Hundeführer und Jäger bei Kuchen und Gulaschsuppe stärkten, legten fleißige Jungjäger- hände Strecke. Auf dem Grün lagen schließlich 27 Sauen und 11 Stück Rehwild.
 

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Das Bergekommando liefert erlegtes Wild an. Jagdleiter Heiko Hornung überprüft Schüsse und Alter der Stücke. (Bild: Michael Stadtfeld)

Zumeist waren es starke Überläufer, ein 2- bis 3-jähriger Keiler sowie zahlreiche Frischlinge. Auch bei den Rehen war alles im Rahmen der Freigabe. Deutlich besser als im Vorjahr war nicht nur die Schussqualität, sondern auch das Schussverhältnis. Mit 1 : 1,25 konnte man einigermaßen zufrieden sein. Üben tut nach wie vor Not.
Bald trudelten auch die Meldungen der Nachbarn ein. Dort waren teilweise ebenfalls gute Strecken erzielt worden, sodass die Jagdleiter am Ende auf der Gesamtfläche von knapp 1 000 ha 66 Sauen und 47 Stück Rehwild verbuchen konnten.
 

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Am Ende der erfolgreichen Jagd liegen 38 Stück Schalenwild zur Strecke. (Bild: Michael Stadtfeld)

Bevor die Hörner im Hasenbach klangen, wurden die Brüche verteilt. Nur 6 der knapp 30 Schützen hatten nichts erlegt. Lediglich einer hatte als Pechvogel des Tages keinen Anblick. Der Glücklichste war an diesem Tag Hans Hauser aus dem schönen Pinzgau (Österreich). Er ist schon seit Jahren Gast und hatte zum 1. Mal Waidmannsheil auf Schwarzwild mit gleich 3 Sauen und zudem 1 Kitz. Sauber hatte er die 4 Stück mit 4 Kugeln erlegt und bekam das Dauerlächeln an diesem Tag nicht mehr aus dem Gesicht.
 

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Jagdkönig Hans Hauser (l.) freute sich an diesem Tag besonders über sein Waidmannsheil. (Bild: Michael Stadtfeld)

Gleich zu Beginn des neuen Jahres werden sich die Jagdleiter der 6 beteiligten Reviere im Forstamt Nastätten wieder zusammensetzen und die Jagd analysieren. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, um dann bereits wieder die richtigen Schlüsse für 2026 zu ziehen.
 

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Jagdhörner gehören bei WILD UND HUND dazu. Feierlich wird die Strecke verblasen. (Bild: Michael Stadtfeld)

Autor: Heiko Hornung